Serienerfinderin Shonda Rhimes im Porträt

Aus ihrer Feder stammen „Grey’s Anatomy“ und „Private Practice“

12.11.2009 Nicole Korzonnek

Von Null auf Hundert: Mit ihren Serien „Grey's Anatomy" und „Private Practice" katapultierte sich Shonda Rhimes in die erste Riege der amerikanischen TV-Drehbuchautoren.

Fast wäre Shonda Rhimes niemals Drehbuchautorin geworden. Fast. Eigentlich wollte die am 13. Juli 1970 in Chicago geborene Afroamerikanerin nach ihrem Abschluss am Dartmouth College nämlich Medizin, Psychologie oder Jura studieren. Dann kam ihr jedoch der Gedanke, dass sie ja viel lieber über diese Berufsgruppen schreiben würde, statt selbst Ärztin, Psychologin oder Anwältin zu sein. Eine kreative Ader hatte sie ja immer schon, wenn sie auch nie damit gerechnet hätte, wirklich ihren Unterhalt mit dem Erfinden von Geschichten verdienen zu können.

Erste Gehversuche als Drehbuchautorin

So einfach, wie sich das jetzt anhört, war ihr Weg zur erfolgreichen Drehbuchautorin dann aber auch wieder nicht. Nach ihrem College-Abschluss arbeitete Shonda Rhimes zunächst eine Zeit lang als „Candy Stripper“ in einem Chicagoer Krankenhaus: Sie war dort quasi Mädchen für alles, verteilte Blumen an Patienten und erledigte Botengänge für das medizinische Personal. Weit und breit war keine kreative Tätigkeit in Sicht.

Erst 1998 ergatterte sie ihren ersten Auftrag, als sie das Drehbuch für den Film „Blossoms and Veils“ schreiben und gleichzeitig Regie führen durfte. Doch auch das war für Shonda Rhimes nicht der große Durchbruch. 1999 hielt sie sich mit einem kleinen Fernsehskript für „Die Geschichte der Dorothy Dandridge“ über Wasser – dann passierte drei Jahre lang erst einmal gar nichts. 2002 folgte das Drehbuch zu „Not a Girl“ mit Britney Spears, ein Jahr später das Skript für „Plötzlich Prinzessin 2“. Zwei Filme, die bei der Kritik samt und sonders durchfielen. Für „Plötzlich Prinzessin 2“ wurde Shonda Rhimes 2003 sogar für die Goldene Himbeere (schlechtestes Drehbuch des Jahres) nominiert. Eine mehr als zweifelhafte Ehre.

Shonda Rhimes und „Grey’s Anatomy“

Drehbücher für Kinofilme brachten der ambitionierten Schreiberin also wahrlich kein Glück. Doch dann hatte Shonda Rhimes im Jahr 2005 eine bahnbrechende Idee. Sie wollte eine Fernsehserie entwickeln, die alles enthielt, was sie selbst auch gerne im TV sah: spannende medizinische Fälle, tragische sowie lustige Situationen und private Verstrickungen der Protagonisten. Lebendig und unterhaltsam sollte das Format sein – und in einem Krankenhaus spielen. Dieser Einfall kam nicht von ungefähr, denn schließlich lag die Drehbuchautorin zu diesem Zeitpunkt selbst in einer Klinik. „Grey’s Anatomy“ war also geboren. Das Serienkrankenhaus sollte zuerst übrigens in Shonda Rhimes Heimatstadt stehen, letztlich entschied sie sich aber für Seattle, da es in Chicago mit „Emergency Room“ ja schon eine weltberühmte Notaufnahme gab.

Erfolgsgeheimnis von „Grey’s Anatomy“

Ursprünglich sollte die Serie auf dem amerikanischen Sender ABC eigentlich nur als Überbrückung zwischen zwei Staffeln von „Boston Legal“ laufen, doch das Format kam beim Publikum derart gut an, dass schnell weitere Seasons geplant wurden. Denn vor allem die privaten Eskapaden der verschiedenen Charaktere entpuppten sich als wahrer Quotenschlager. Hinzu kam (und kommt auch nach wie vor), dass Shonda Rhimes zu Beginn einer jeden neuen Staffel zwar schon weiß, wie alles am Ende ausgehen wird, das aber für lange, lange Zeit unter Verschluss hält. Selbst die Darsteller erfahren oft erst im letzten Moment, was in einer dramatischen Folge passieren soll, damit ihr Schauspiel so authentisch und frisch wie nur möglich ist.

Spin-Off „Private Practice“

Dank des Erfolges von „Grey’s Anatomy“ erfand Shonda Rhimes im Jahr 2007 mit der Serie „Private Practice“ ein Spin-Off. Statt in einem Krankenhaus in Seattle, spielt hier die Handlung in einer Privatpraxis in Los Angeles. Die privaten Verstrickungen sind aber ähnlich, weswegen beide Fernsehserien pro jeweiliger Staffel mindestens für eine Folge zusammengelegt werden – nur eben aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, damit die Shows nach wie vor für sich alleine stehen können.

Shonda Rhimes schreibt für Disney

Von Anfang an ist die Serienerfinderin nicht nur Drehbuchautorin ihrer eigenen beiden Serien, sondern auch die ausführende Produzentin. Besser könnte sie ihre geistigen Kinder also gar nicht überwachen. Inzwischen spielt Shonda Rhimes aber mit dem Gedanken, ihre beiden Babys loszulassen. In einem Interview machte sie deutlich klar, dass sie nicht für den Rest ihres Lebens Folgen für „Grey’s Anatomy“ und „Private Practice“ schreiben möchte. Irgendwann wird sie das Zepter abgeben und in vertrauensvolle Hände legen, auch, wenn das noch nicht für dieses oder nächstes Jahr angeplant ist. In der Zwischenzeit lockt erneut die große Leinwand, denn Shonda Rhimes hat bei Disney einen Vertrag für zwei Drehbücher unterschrieben. Wann diese aber fertig gestellt werden, ist noch unklar, denn immerhin arbeitet Rhimes derzeit fieberhaft an der 6. Staffel von „Grey’s Anatomy“ sowie der 3. Season von „Private Practice“, in denen wieder viel Unerwartetes passieren soll.

Der Artikel Serienerfinderin Shonda Rhimes im Porträt in Filmindustrie & TV-Industrie unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Serienerfinderin Shonda Rhimes im Porträt ist Nicole Korzonnek.
;